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| 50 JAHRE HFF EINE RETROSPEKTIVE Die älteste Filmhochschule in Deutschland - seit 50 Jahren entstehen in Babelsberg Filme durch Studenten. Es ist geradezu unmöglich, eine umfassende Retrospektive der HFF zu organisieren, eine eigene Festivalwoche würde dazu kaum ausreichen. Zu viele Diplom-, Prüfungsfilme und kleine Übungen sind in fünf Jahrzehnten entstanden und lagern in oft abenteuerlichem Zustand im Keller des neuen HFF-Gebäudes. ZEITFENSTER Diese Retrospektive versteht sich als kleines Zeitfenster, das einen kurzen aber gewagten Blick zurückwirft und dabei trotzdem versucht, ein möglichst breites Spektrum an Filmschaffen an der HFF zu repräsentieren. Wir haben uns entschlossen, Filme bis zum Jahr 1993 zu zeigen – eine Vernunftentscheidung aufgrund des großen Filmangebots ab den späten 1990ern, zumal diese Filme für Interessierte auch leichter zugänglich sind. ![]() Die Entdeckung HFF UND POLITIK Begibt man sich auf das politische Parkett, wird schnell offensichtlich, dass die Geschichte der HFF untrennbar mit den Ereignissen im geteilten Deutschland verbunden ist. Sicher war sie eine begehrte Kaderschmiede und stand gerade in den frühen Jahren oft im Dienste von Propaganda und Agitation. Gesellschaftliche Brennpunkte wurden nach Parteilinie abgehandelt, Vermeidung von politische Themen meist der einzige Weg zu inhaltlicher Freiheit. Doch gleichzeitig waren viele Filme immer auch ein Spiegel ihrer Zeit, Kritik schlich sich besonders in der Gegenüberstellung von spießbürgerlichem Parteigebahren und einer aufmüpfigen Jugendkultur ein. | ![]() Aber wenn man so leben will MORALISCHER ZEIGEFINGER UND OPPOSITION Wurde in frühen Spielfilmen wie »Sorgenkinder« und »Notwendige Lehrjahre« des späteren Dokumentarfilmers Jürgen Böttcher über jugendliche Exzesse noch der moralische Zeigefinger erhoben, standen die Protagonisten aus Dokumentarfilmen der späten 1970er und 80er Jahre schon deutlich in Opposition zur sozialistischen Ordnung. »Wozu über DIESE Leute einen Film?« zitiert auf provokante Weise den Ausspruch eines Dozenten, dem das Thema des Dokumentarfilms von Thomas Heise über kleinkriminelle Jugendliche aus Ostberlin vorgestellt wurde. Und »Wenn man so leben will wie ich«, das 1988 entstandene Porträt eines Punkers, schließt schon im Titel die Möglichkeit einer »friedlichen Koexistenz« von Punker und Partei aus. CHRONIST DER WENDE Natürlich finden sich viele DDR-Themen wie Arbeiterbeobachtungen und Antifaschismus bis 1990 geradezu regelmäßig wieder – umso erstaunlicher ist dann die schnelle Öffnung während und nach der Wendezeit. Die HFF kann hier geradezu als Chronist und Aufarbeiter der politischen Wirren von 1989/90 verstanden werden. »Zehn Tage im Oktober« vermittelt einen Eindruck von der Unsicherheit, die mit dem Fall der Mauer verbunden war und auch Andreas Dresens »Zug in die Ferne« kann als bitterer Kommentar zum Niedergang der DDR verstanden werden. ![]() Zug in die Ferne Zentrale Themen wie Alltagsbilder, Wendezeit und politische Aspekte finden sich in vielen der gezeigten Filme wieder – doch weist die Retrospektive sicher auch die eine oder andere überraschende Wiederentdeckung auf, pendelnd zwischen Nostalgie und Kritik. DOWNLOAD Das komplette Programm der Retrospektive als PDF zum Download: »retrospektive_prog.pdf |
![]() RETROSPEKTIVE RUECKBLICK Die Auswahl der Filme fiel uns nicht leicht. Auch in unserer Gruppe unterschied sich der ostdeutsche vom westdeutschen Blick: Was dem einen gewagt erschien, war für den anderen unspektakulär. Die Kritik zwischen den Zeilen ist aus einer gewissen Distanz nicht immer zu erkennen. Natürlich war die einzige Filmhochschule der DDR ein Spiegel ihrer Zeit. Manchmal bot sie die Möglichkeit, unbeobachtet zu arbeiten, einen direkteren als den offiziellen Blick zu wagen. Andererseits war hier die Selbstkontrolle besonders hoch, denn man konnte leicht seine Karriere aufs Spiel setzen. Außerdem galt es, immer die aktuellen politischen Rahmenbedingungen im Auge zu behalten. Auf positive Signale konnten Phasen der Restriktion folgen. Leider sind viele Filme aus Zeiten der künstlerischen Öffnung für immer in den Tiefen der Giftschränke verschwunden. | HFF-JUBILAEUM Im Herbst 2004 wird die Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf« 50 Jahre alt. ![]() Der große Festakt ist am 5. November 2004 in der Hochschule. Aus dem Anlass wird es Alumnitreffen aller Studiengänge geben. Eine Filmreihe wird die Feierlichkeiten begleiten; ein Buch und eine DVD werden erscheinen. Wir empfehlen, die Augen offen zu halten. |